»Ich hoffe, dass so etwas nie wieder geschieht«

Eine Woche lang setzen sich die Jugendlichen in Auschwitz mit dem Holocaust auseinander.

Gießener Allgemeine Zeitung vom 29.01.2018

Es gibt Menschen, die nicht erinnert werden wollen. Die einen Schlussstrich unter diesen Teil der Geschichte ziehen wollen, die doch entscheidend für das Selbstverständnis des Deutschlands ist, das wir heute kennen. Es gibt aber genug Menschen, die aktiv erinnern wollen. Wie eine Teilnehmerin der von der Jugendförderung des Landkreises Gießen organisierten Studienfahrt in das ehemalige Vernichtungslager Auschwitz. »Ich hoffe, dass so etwas nie wieder geschieht«, sagte sie beim Präsentationsabend. Dieser fand jetzt im Theaterraum der Theo-Koch-Schule Grünberg statt. Die Einrichtung ist zusammen mit der Arbeitsstelle Holocaustliteratur der Justus-Liebig-Universität Kooperationspartner der Gedenkstättenfahrten im Landkreis.

»Gedenkstättenfahrten sind ein wichtiger Teil der politischen Bildungsarbeit des Jugendbildungswerkes des Landkreises«, sagte Jugendbildungsreferentin Julia Erb. 13 Jugendliche und junge Erwachsene zwischen 14 und 20 Jahren nahmen an der jüngsten Studienreise teil, um sich eine Woche lang mit Auschwitz und dem Holocaust, den Geschehnissen und Lebensbedingungen im Lager und der nationalsozialistischen Ideologie zu beschäftigen. Sie besuchten das Lagergelände und Ausstellungen, recherchierten, beteiligten sich an Arbeiten zum Erhalt des Geländes sowie an einem Zeitzeugengespräch. In Reflexionsrunden tauschten sich die Teilnehmer über ihre Erfahrungen aus und stellten sich Fragen.

Im Rahmen eines Präsentationsabends beschrieben die Jugendlichen, wie sie sich mit dem Holocaust und den Geschehnissen in Auschwitz auseinandergesetzt haben. Gekommen waren Familien der Teilnehmer und weitere Interessierte. Die Jugendlichen fassten ihre prägenden Erfahrungen in Worte, zeigten Bilder, informierten über die nationalsozialistischen Verbrechen und erinnerten an die Opfer.

»Es ist nicht leicht, über Auschwitz zu sprechen, wenn man zurück im eigenen Alltag ist« sagt Erb. »Wir wollen einen Raum schaffen, in dem die Teilnehmenden von ihrer Auseinandersetzung mit der menschenverachtenden Ideologie und den Verbrechen der Nationalsozialisten erzählen können.«

Betreut wurde die Gruppe von Christian Zeuch und Inga Bittendorf (Lehrer an der TKS Grünberg), Annika Binsch (Arbeitsstelle Holocaustliteratur an der Justus-Liebig Universität Gießen) und Julia Erb. Weitere Informationen – auch für Jugendliche, die im August 2018 mit zur Gedenkstättenfahrt nach Buchenwald wollen –, gibt Julia Erb unter Telefon 06 41/93 90-92 33 oder per E-Mail: julia.erb@lkgi.de. (Foto: pm)

2018-02-09T18:29:48+00:00 29.01.2018|Allgemein, Presse aktuell|