Gießener Anzeiger vom 24.01.2020, S. 28

Schüler präsentierten ihre Eindrücke von Auschwitz. Foto: Heinz-Gerhard Schuette

Theo-Koch-Schüler geben nach Auschwitz-Gedenkstättenfahrt Einblick in ihre persönlichen Eindrücke und Erfahrungen

GRÜNBERG (hgs). Zehn von insgesamt 19 teilnehmenden Schülerinnen und Schülern der Theo-Koch-Schule (TKS) Grünberg an einer Gedenkstättenfahrt des Landkreises Gießen in das ehemalige Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz in der Zeit vom 9. bis 17. November 2019 schilderten im Theaterraum der TKS ihre individuelle Auseinandersetzung mit dem historischen Ort und gaben so anhand von ausgewählten Beispielen Einblick in ihre persönlichen Eindrücke und Erfahrungen.

Die Fahrt wurde in Kooperation mit der Arbeitsstelle Holocaustliteratur der Justus-Liebig-Universität Gießen und der TKS durchgeführt. Nur noch 7000 Gefangene konnte die russische Armee am 27. Januar 1945 in diesem Lager befreien, die nationalsozialistische Gewaltherrschaft hatte dort zuvor rund 1,1 Millionen Menschen ermordet. Zur inhaltlichen Vorbereitung auf die Studienfahrt fand ein Vorbereitungstreffen statt, bei denen sich die Jugendlichen kennenlernten und sich mit der Entstehung des Nationalsozialismus, der Geschichte von Auschwitz und dem Holocaust auseinandersetzten. Betreut wurde die Gruppe von den Lehrkräften Christian Zeuch und Inga Bittendorf von der TKS, Anika Binsch (Arbeitsstelle Holocaustliteratur an der JLU Gießen) sowie Julia Erb (Jugendbildungsreferentin des Landkreises Gießen), die auch die einführenden Worte sprach.

Neben der Besichtigung des Stammlagers Auschwitz I und dem riesigen Areal des Lagers Auschwitz-Birkenau, in dem an die 90 000 Häftlinge einsaßen und die meisten nicht überlebten, standen auch praktische Arbeiten zum Erhalt des Geländes und der Besuch einer Kunstausstellung eines Holocaustüberlebenden auf dem Programm. Gemeinsame Reflexionsrunden gaben Raum, sich aufdrängenden Fragen zu widmen und sich über die eigenen Erfahrungen auszutauschen. Die Jugendlichen setzten sich intensiv mit der Geschichte des Lagers auseinander, konnten im Archiv der Internationalen Jugendbegegnungsstätte in Berichten von Überlebenden lesen und an ihren eigenen Schwerpunktthemen arbeiten, die sie in Ausschnitten den Besuchern präsentierten. Dazu gehörten Schilderungen der Schicksale von Lagerinsassen, Gedanken zur Befreiung von Viktor E. Frankl, der als Psychologe die Situation im Lager selbst erlebt und dazu ein Buch unter dem Titel „Trotzdem Ja zum Leben sagen“ geschrieben hat, sowie abschließend ein Gespräch mit einem Überlebenden von Erich Fried, das von zwei Schülern vorgetragen wurde.