Theo-Koch-Schule Grünberg wird zum Vorzeigeobjekt

Grünberg: Außenansicht TKS
Neue Aula (l.) und neuer Klassentrakt (r.) der Theo-Koch-Schule Grünberg: Der nächste Schritt des Großprojektes »Sanierung TKS« ist fast geschafft, im Klassentrakt fehlen nurmehr die gläsernen Trennwände, die Außenanlagen bedürfen noch einiger Restarbeiten. (Fotos: tb)

Bei Gesamtkosten von 7 Millionen Euro hat die Theo-Koch-Schule Grünberg eine neue Aula bekommen. Und einen neuen Klassentrakt dazu, dort aber sucht man Klassentüren vergebens.

Gießener Allgemeine Zeitung vom 17.11.2017

Grünberg. (tb) Das Prädikat »Vorzeigeobjekt« nahm, nicht als Einziger übrigens, Architekt Torsten Petruschka in den Mund. Und erwartete noch, der Mut zu neuen Lernkonzepten werde bald mit wahren Besucherströmen belohnt. Die Rede ist vom neuen, am Donnerstag »eingeweihten« Klassentrakt der Theo-Koch-Schule Grünberg.

Alter Zopf: Mittelflurschule

Des Vorzeigens durchaus wert, ist an der Integrierten Gesamtschule der Abschied vom alten Klassenzimmer zu erleben: Statt dessen gibt es offene, von gläsernen Wänden abgetrennte, um einen Aufenthaltsbereich gruppierte »Lernbereiche« – ohne Türen! Was neben der Wissensvermittlung auch des Erwerbs sozialer Kompetenz dienlich sei, wie es beim Festakt in der gestern ebenso gefeierten, mit 400 Plätzen endlich ausreichend großen neuen Aula hieß.

Auf den Tag vor zwei Jahren war der Grundstein gelegt worden, knapp ein Vierteljahr später als geplant sind die Neubauten zu nutzen. Über diesen nächsten Baustein der Sanierung »seiner« Schule freute sich TKS-Direktor Jörg Keller, gestern erster Redner des von Musik- und Theaterdarbietungen der Schüler bereicherten Festakts. Er erinnerte mit einen Schmunzeln an die jetzt obsoleten Pavillons, besonders an Haus H, das als »Waschbären-Zoo« einige Berühmtheit erlangte.

Schlüsselübergabe mit Architekt Petruschka, Schuldezernentin Schmahl und TKS-Direktor Jörg Keller (von links).

Mut der Politiker gewürdigt

Bau- und Schuldezernentin Dr. Christiane Schmahl würdigte nicht nur den Mut der Kreispolitiker, die nach einem Besuch der Berufsschule Westernburg sich für dort bewährtes Prinzip offener Lernbereiche entschieden. Und dann auch noch die Mittel »nachbewilligten«, um neben dem Klassentrakt eine neue Aula zur errichten. Somit hat die kreisweit mit rund 1600 Kindern größte Schule nicht nur einen angemessenen Raum für Veranstaltungen, durch den »Auszug« der Aula aus Haus M gewinnt überdies die dortige Mensa den nötigen Platz.

Die Kreisbeigeordnete erwähnte nun die »vertrauensbildenden Maßnahmen«, um didaktisches Neuland betreten zu können. Der Mut des Schulträgers, der Politik, der Lehrer und Schulleitung, »Fortschritte in der Pädagogik leben zu wollen«, sei des Lobes wert. Im Frühjahr, schloss sie, seien die Außenanlagen fertig, die alten Pavillons abgerissen, ein weiterer Sanierungsschritt getan. Dann fehle nurmehr die Sanierung von Turnhalle und Schulhof sowie die Barrierefreiheit im MINT-Bereich. Schmahl vergaß am Ende nicht, dass die Kosten sieben Millionen Euro rund 300 000 Euro niedriger als veranschlagt ausfielen.

Schmahl soll an Parkplätze denken

»Der zweistellige Millionenbetrag, der seit 2004 in die TKS-Sanierung floss, war dringend nötig und gut angelegtes Geld«, betonte Bürgermeister Frank Ide. Neben erwähnten Restarbeiten möge Schmahl aber noch an die Parkplätze denken. Der neue Klassentrakt, in dem auf drei Ebenen die Jahrgänge 9/10 unterrichtet werden, seine offene Bauweise sah stellvertretender Schulamtsleiter Volker Karger als passendes Symbol: für die geistige Aufgeschlossenheit der TKS, die etwa mit dem Siegel »Schule ohne Rassismus« zum Ausdruck komme.

Eine gelungene Verbindung von räumlichen und inhaltlichen Konzepten, meinte Stufenleiterin Anja Warnecke. Lob für den Mut zur den freilich nötigen Modernisierung des Schulsystems kam von den SV-Vertretern Yasmin Ceylan und Sina Schlosser. Nicht viel anders Elternbeirat Stefan Rautenberg, der doch bemerkte: »Ein Schulgebäude auf der Höhe der Zeit – eigentlich eine Selbstverständlichkeit.«

Offenes Konzept Ausdruck neuen Denkens

Am Ende sei nochmals Torsten Petruschka zitiert: Für ihn ist das »offene Lernhauskonzept« gleichsam Ausdruck neuen Denkens, weg von den »den alten Zöpfen der Mittelflurschule«, vom Frontalunterricht, hin zu Konzepten kooperativen Lernens, mit mehr Eigenverantwortung der Kinder. Mit einem Zitat von Jean Paul endete er: »Kinder und Uhren dürfen nicht ständig aufgezogen werden, man muss sie auch mal gehen lassen.«

 

 

2017-11-17T12:00:10+00:0017.11.2017|Allgemein, Presse 2017/18|