Man kennt ihn aus dem Fernsehen: Der Physiker Harald Lesch lehrt und forscht in München. Sein Abi hat er in Grünberg gemacht. Jetzt stattete er seiner alten Schule einen Besuch ab. (Foto: con)

Gießener Allgemeine Zeitung vom 23.02.2018

Von Constantin Hoppe

»Ich weiß, das wird Sie schockieren, aber ich habe mein Abitur an einer hessischen Gesamtschule abgelegt.« Diesen Satz sagt Professor Harald Lesch nach eigenen Angaben häufiger, wenn er wissenschaftliche Vorträge in Bayern hält. »In Bayern denken sie, sie hätten das beste Bildungssystem der Welt und das sagen sie auch. Deshalb sage ich dort gerne, dass ich auf einer hessischen Gesamtschule war.« Und dorthin kehrte Lesch nun zurück. Am Donnerstag stattete der Physiker, der aus Nieder-Ohmen stammt, der Theo-Koch-Schule einen Besuch ab. Dort hatte er 1978 seinen Abschluss gemacht. Einem breiten Publikum wurde er durch Fernsehsendungen wie »Leschs Kosmos« oder »Alpha Centauri« bekannt. Seine wissenschaftliche Heimat ist die Ludwig-Maximilians-Universität in München, wo er Professor für theoretische Astrophysik ist. Begonnen hatte er sein Studium an der Universität in Gießen. Promoviert wurde er an der Universität Bonn.

Den Auftritt in seiner ehemaligen Schule genoss der heute 57-Jährige sichtlich. Locker und ungezwungen redete er mit den Schülern über zahlreiche Themen: Philosophie, Physik, öffentlich-rechtlichen Rundfunk, Religion, Politik. Dabei gab er sich so, wie man ihn von verschiedenen Formaten kennt: Aufgeschlossen, nett und in seinen Erklärungen und Darstellungen sehr unterhaltsam – eine Fähigkeit, die nicht allen (Natur-)Wissenschaftlern zu eigen ist.

Und dafür überraschten die Schüler den Professor mit einigen sehr tiefgründigen Fragen: »Kann der Mensch alles wissen und wäre das überhaupt sinnvoll?« Seine erste, doch sehr über die Frage überraschte Reaktion: »Äh, gibt es hier einen Publikumsjoker?« Aber selbstverständlich hatte er auch darauf eine Antwort: Nein, seiner Meinung nach könne der Mensch niemals alles wissen, aber das sei auch gar nicht nötig: »Man kann sich einen sehr guten Wissens-Kompass schaffen, der einem bei vielen Fragen weiterhilft.«

Und auch einen Tipp hatte er für die Schüler, die über ein Studium nachdenken: »Machen Sie eine Berufsausbildung vor dem Studium – gehen sie hinaus in die Welt und lernen sie zuerst etwas über diese«, empfahl er. Denn allzu oft würden junge Menschen ihr Studium beginnen, ohne jemals etwas außerhalb der Schulmauern kennengelernt zu haben. »Sie haben dann enorme Schwierigkeiten, Krisen zu bewältigen.« Zuerst sollte man herausfinden, was die eigenen Wünsche sind und dann eventuell ein Studium beginnen.