L’iris et temps de pose

Gießener Allgemeine vom 11.06.18

Im digitalen Zeitalter mit einer Keksdose oder einem zur Kamera umfunktionierten Auto fotografieren? Was zunächst verrückt klingt, wurde kürzlich an der Theo-Koch-Schule (TKS) erfolgreich erprobt – und zwar in einem Workshop unter der Leitung des israelischen Fotokünstlers Ilan Wolff mit Französischkursteilnehmern der Jahrgangsstufe 8 und 9.

Nach einer Einführung in die Technik der Camera Obscura (Lochkamera), die aufgrund ihrer Einfachheit bereits großes Erstaunen hervorrief, wurden die 24 Teilnehmer Schritt für Schritt an das Fotografieren mit ihren selbst gebauten Kameras herangeführt. Hierfür wurden mitgebrachte Keks- oder Suppendosen innen schwarz besprüht und mit Fotopapier ausgestattet, das durch ein kleines Loch belichtet werden konnte. Danach ging es auf Motivsuche auf dem Gelände der TKS. Da das Ziel war, die Realität mit anderen Augen zu sehen, gab der Fotokünstler viele Tipps, damit die Fotografen die Möglichkeiten und Effekte dieser Fototechnik ausschöpfen konnten. Der weitere Arbeitsprozess, der das Entwickeln von Hand wie auch die Umwandlung vom Negativ ins Positiv umfasste, wurde gemeinsam durchgeführt. Es gab zudem die Möglichkeit, »Photogramme« von Lieblingsobjekten herzustellen, bei denen nur Fotopapier und Licht zum Einsatz kamen. Die Endprodukte konnten nach der Entwicklung von Hand koloriert werden. Besondere Begeisterung rief das zur Kamera umgestaltete Auto des Fotokünstlers hervor, mit dem ein großformatiges Bild der Schüler vor dem Hintergrund der Schulgebäude angefertigt wurde.

Ilan Wolff, der viele Jahre in Paris und Südfrankreich gelebt und gearbeitet hat, hielt diesen Workshop auf Bitte des Fachbereichs Französisch fast vollständig in französischer Sprache ab, wodurch die Schüler nicht nur künstlerische, sondern auch sprachliche Erfolgserlebnisse mit nach Hause nehmen konnten. »L’iris et temps de pose« (Blende und Belichtungszeit) kamen sicher zur Sprache.

2018-06-13T23:49:43+00:0013.06.2018|Allgemein, Presse 2017/18|