Gießener Allgemeine Zeitung vom 26.06.2026

Heute ist der letzte Arbeitstag von TKS-Schulleiter Jörg Keller. © Constantin Hoppe

Jörg Keller verlässt nach 14 Jahren die Theo-Koch-Schule in Grünberg. In seiner Amtszeit entstand unter anderem ein Neubau für 7,3 Millionen Euro.

Grünberg – Eines wird am Dienstag schnell klar: Jörg Keller hat in seinen 14 Jahren als Schulleiter an der Grünberger Theo-Koch-Schule deutliche Spuren hinterlassen – im baulichen Zustand der Schule, im Unterrichtsangebot, im Kollegium und bei den Schülern der integrierten Gesamtschule. Zum Ende des Schuljahres nimmt er Abschied von „seiner" Schule.

Seit dem 1. August 2012 stand Keller an der Spitze der TKS. Zuvor war er stellvertretender Leiter der Friedrich-Feld-Schule und Mitarbeiter des Staatlichen Schulamts. Außerdem arbeitete er lange in der Fachkommission Landesabitur für das Fach evangelische Religion mit.

Zu seinem Amtsantritt hatte ihm der damalige stellvertretende Leiter des Staatlichen Schulamts, Christoph Fellner von Feldegg, „acht Grundsätze professionellen Auftretens" für Führungskräfte mit auf den Weg gegeben. Einer davon lautete: „Sie werden vom ersten Tag an in ihrer Rolle als Schulleiter wahr- und auch in Anspruch genommen." Ein weiterer: „Nett sein ist keine Lösung." Doch zumindest an Letzteren habe er sich nie gehalten, bescheinigten ihm die Redner bei seiner Verabschiedung mit einem Schmunzeln.

Übrigens nicht die einzige Verbindung zu seiner Amtseinführung: Für eine zweite hatte Keller mit der Wahl seiner Kleidung, genauer gesagt seiner Krawatte, gesorgt. „Das ist dieselbe, die ich schon vor 14 Jahren getragen habe", erzählte er schmunzelnd.

„Auch die oft gehörten Worte ‚Da bin ich leidenschaftslos' kauft Ihnen hier im Kollegium niemand mehr ab", sagte der stellvertretende Schulleiter Marcel Jochim, der die Schule zunächst für das kommende halbe Jahr kommissarisch leiten wird. Einen Nachfolger für den Posten des Schulleiters gibt es bislang nicht.

Jochim erinnerte außerdem an die außergewöhnliche persönliche Leistung seines Vorgängers: Keller sei über Jahre hinweg nahezu ohne Krankheitstage ausgekommen und immer für alle ansprechbar gewesen.

Dass Keller die Schule nicht nur verwaltet, sondern gestaltet habe, wurde auch in den weiteren Grußworten deutlich. Unter seiner Leitung entwickelte sich die Theo-Koch-Schule pädagogisch und baulich weiter. Besonders sichtbar wurde dies mit dem Neubau eines Unterrichtsgebäudes und der Aula ab dem Jahr 2015 – ein Bauprojekt mit einem Volumen von 7,3 Millionen Euro und eines der prägendsten Projekte der vergangenen Jahrzehnte.

„Sich mit Jörg Keller hier in Grünberg zu treffen, war jedes Mal wieder aufregend", sagte Schuldezernent Christopher Lipp. „Man wusste nie, welche neuen Ideen er für seine Schule hatte. Es verging kein Treffen, bei dem Sie keine neue Idee hatten und nicht schon ein bis zwei Schritte weitergedacht haben." Keller habe stets mehr geleistet, als man von ihm hätte erwarten können.

Die Theo-Koch-Schule habe sich unter seiner Leitung zu einer Einrichtung mit weit überregionaler Strahlkraft entwickelt. Auch im Unterricht setzte Keller Akzente und baute insbesondere die sogenannten MINT-Fächer weiter aus. „Dem Landkreis geht mit Ihnen ein ganz wichtiger Partner verloren", sagte Lipp.

Im Anschluss nahm der leitende Schulamtsdirektor Dr. Arne Hogrefe die offizielle Verabschiedung Kellers vor und überreichte ihm seine Entpflichtungsurkunde.

Für einen besonderen Moment der Feier sorgte Stefan Alexander Rautenberg. Der Zauberer war über mehrere Jahre Mitglied des Schulelternbeirats und hatte sich auf Wunsch Kellers einen besonderen Beitrag ausgedacht.

Mit einem Zauberkunststück schlug er den Bogen zu dessen Wirken als Schulleiter: „Etwas Wunderbares kann nur geschehen, wenn auch alle das wollen – sowohl in der Schule als auch bei der Zauberei." Und mit Blick auf die Welt von „Harry Potter" fügte er hinzu: „Du bist der Dumbledore dieser Schule und hast hier etwas ganz Wunderbares beschworen."

Wie sehr Keller die Schule geprägt hat, brachte Schulsprecher Luke Schaaf in wenigen Worten auf den Punkt: „Uns Schülern fällt es heute besonders schwer, uns von Ihnen zu verabschieden, Herr Keller. Keiner von uns kennt die TKS ohne Sie als Schulleiter."

Weitere Grußworte kamen unter anderem von Matthias Orth für den Personalrat sowie von Karina Trenk und Harald Pausch für das Kollegium. Hinzu kamen Beiträge des aktuellen und ehemaliger Schulelternbeiräte, des Fördervereins, der Wirtschaftsschule am Oswaldsgarten – der früheren Friedrich-Feld-Schule –, des Studienseminars Gießen sowie der Firma Weiss Technik.

Die Verbundenheit zu Keller reicht dabei weit über Deutschland hinaus. Durch die AG Spurensuche, die sich mit dem Schicksal früherer jüdischer Grünberger Schüler und ihrer Familien beschäftigt, entstanden in den vergangenen Jahren internationale Kontakte.

So wurden auch Grußworte aus den USA eingespielt – von Paul Liffmann aus Texas sowie von Lawrence Bacow, dem ehemaligen Präsidenten der Harvard University. Beide dankten Keller für sein Engagement.

Bewegend wurde es in Kellers eigener Ansprache. Den ganzen Tag habe er an seinem Schreibtisch gesessen und überlegt, was er an diesem Tag sagen solle. Am Ende habe er sich auf das Wesentliche konzentriert: „Von meiner Seite ist eigentlich alles gesagt, was es zu sagen gibt. Darum möchte ich Ihnen allen Danke sagen."

Einen besonderen Dank richtete Keller dann an seine Frau. Über viele Jahre hinweg sei sie seine „Klagemauer" gewesen. In Zukunft wird er mehr Zeit für die Familie, sein Enkelkind und Urlaube in Dänemark haben.

Mit lang anhaltendem Applaus verabschiedete die Schulgemeinschaft an diesem Tag einen Schulleiter, der die Theo-Koch-Schule über mehr als ein Jahrzehnt geprägt hat – und dessen Spuren noch lange sichtbar bleiben werden.