„Grenzerfahrungen“

„Grenzerfahrungen“ – unter diesem Überthema lud die Theo-Koch-Schule Grünberg am 30.05.2018 zu einer collagenartigen Veranstaltung ein. Schülerinnen und Schüler der Lateinkurse aus dem Jahrgang 10 beschäftigten sich unter Leitung von Frau Christine Leuschner, Frau Christina Müller und Herrn Michael Schmitt im Unterricht mit dem Werk „Vallum Berolinense – ein Exilberliner erlebt den Mauerbau“ des neulateinischen Dichters Harry C. Schnur, woraus sich schließlich die Idee für die Veranstaltung entwickelte. Zur großen Freude der Schulgemeinde gelang es Frau Müller, den Altphilologen MdB Dr. Fritz Felgentreu als Herausgeber des Werkes zu einem Vortrag sowie die Witwe Rhonda R. Schnur zu einem Interview einzuladen.

Die Besucher wurden bunt unterhalten. Neben der musikalischen Unterstützung durch den Oberstufenchor und Herrn Wilhelmi, welche Musik von Jan Novàk, Karat und den Scorpions aufführten, beteiligten sich neben den Lateinkursen außerdem Schülerinnen und Schüler der Schülergruppe „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ sowie ein Englischkurs des Jahrgangs 11, welcher Gedichte und Textausschnitte aus Schnurs Werk in englischer Sprache vortrug.

Herr Dr. Felgentreu zeichnete während seines Vortrages den Inhalt des Werkes „Vallum Berolinense“ nach und machte deutlich: Latein ist keineswegs eine tote Sprache, sondern bietet spannende Anknüpfungspunkte und darüber hinaus wie im Beispiel Harry C. Schnur die Beschäftigung mit aktuelleren Autoren.

Schnur emigrierte als jüdischer Deutscher während der Zeit des Nationalsozialismus in die USA und kehrte – zufällig am Tag des Mauerbaus – 1961 zurück in seine Geburtsstadt Berlin. In Bezug auf seine eigene Biographie schrieb er die mit diesem Ereignis zusammenhängenden persönlichen Gefühle und Beobachtungen auf – in Latein.

Mit einem aktuellen Bezug zum Zeitgeschehen trat die Schülergruppe „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ auf. Schülerinnen und Schüler der Deutsch-Intensivklassen erzählten in Zusammenarbeit mit Jugendlichen der Schülergruppe in sehr persönlichen, bewegenden Fluchtberichten von ihrem langen und beschwerlichen Weg auf der Flucht vor dem Krieg bis zu ihrer Ankunft in Deutschland.

Frau Schnur berichtete in einem von zwei Schülerinnen geführten Interview von ihrem gemeinsamen Leben mit Harry C. Schnur. Hierbei wurde besonders deutlich, wie sehr Harry C. Schnur die Sprachen und das Reisen liebte und welch vielfältige Interessen das Paar teilte.

Im Anschluss an die Veranstaltung bestand für die Besucher die Möglichkeit, eine Ausstellung der Lateinkurse aus den Jahrgängen 10 und 11 zu besuchen, welche unterschiedliche Aspekte des behandelten Werkes aufarbeiteten und in kreativen Produkten umsetzten.

2018-08-18T17:02:27+00:0001.06.2018|Aktuelle Beiträge, Allgemein|