Von „Call of duty“ gefesselt

Gießener Anzeiger vom 10.01.2019, S. 35

Die Eltern ließen sich schnell in die Welt der Computerspiele hineinziehen und waren erstaunt, dass sie statt der gefühlten
zehn Minuten tatsächlich 30 Minuten gezockt hatten. Foto: Theo-Koch-Schule

Grünberger Theo-Koch-Schule bietet Medien-Elternabend zum Thema „Computerspiele“ an / Vierstündiges Seminar

GRÜNBERG (red). „Was spielst du? Dota oder Lol?“ – „Egal, sind ja beides MOBAs.“ „Ich spiele lieber Fortnite oder PUBG – Hauptsache MMOGs“. Wer von diesem Dialog mehr verwirrt ist, als dass er mitreden könnte, sollte sich für den nächsten Medien-Elternabend in der kommenden Woche an der Theo-Koch-Schule in Grünberg anmelden. Um zu verstehen, welche Faszination Gaming (Computerspiele) auf Kinder, Jugendliche und auch Erwachsene ausübt, haben sich 30 Eltern und Lehrerkräfte in der Schule zu einem vierstündigen Praxisseminar getroffen.

Franz Philipp Dubberke, Medienpädagoge, und Ann-Kristin Gaumann, Studentin der Medienwissenschaften in Halle/Saale, stellten im Auftrag der Bundeszentrale für politische Bildung unter anderem das Internetportal „spielbar.de“ vor. Sie informierten über aktuelle Spiele, hier besonders „Fortnite“, die Prüfung und das Zustandekommen von Altersfreigaben. Sie erläuterten außerdem aktuelle Statistiken und zeigten Anzeichen und Lösungsvorschläge bezüglich exzessiver Computerspielsucht von Kindern und Jugendlichen auf.

Nach der Theorie durften alle Teilnehmer an den Gaming-Computern selbst zur Tat schreiten. Zum Aufwärmen wurde „Trackmania“ gespielt, ein einfaches Autorennspiel, bei dem die Teilnehmer um die Bestzeit fahren. Hier wurde aus dem Spaß schnell Ernst, als es um die interne Bestenliste ging. Die Höchstpunktzahl wurde von allen Spielenden stets im Auge behalten.

Im Anschluss wurde „Call of duty“ gezockt, die Teilnehmer spielten in zwei Teams gegeneinander. Die Spiellandschaft ist hier eine vom Krieg zerstörte Stadt, in der die Spieler in die Rolle eines Soldaten schlüpfen und gegeneinander in die Schlacht ziehen. Das Team mit den meisten Abschüssen gewinnt. Nach anfänglichen Orientierungsschwierigkeiten und der Gewöhnung an die Steuerung – es wird beidhändig mit Tastatur und Maus gespielt – nahm der „Kampf“ schnell an Fahrt auf.

Nach einer guten halben Stunde versammelte man sich wieder im Gesprächskreis zur Reflexion. „Gefühlt zehn Minuten“ hätten sie gespielt, war man sich einig. Die Verblüffung war groß, als Dubberke die tatsächliche Spielzeit nannte. „Kein Wunder, dass mein Sohn immer meckert, dass er ,nur‘ kurz gespielt habe“, lautete die Erkenntnis einer Mutter.

Und von diesen Erkenntnissen gab es einige: Zu erleben, wie tief man in die virtuelle Welt abtaucht, wie stark man sich mit der jeweiligen Spielfigur identifiziert und wie es ist, ein wichtiger und unverzichtbarer Teil eines Teams zu sein, ließ manchen Teilnehmer seine Ressentiments gegenüber Computerspielen überdenken und schaffte Platz für Verständnis und Interesse.

Der nächste Medienelternabend findet am kommenden Mittwoch, 16. Januar, ab 19.30 Uhr im Haus G der Theo-Koch-Schule statt. Altersfreigaben bei Apps und Spielen, Smartphonesicherheit und Kindersicherungsapps sind nur ein paar von den geplanten Themen, über die sich interessierte Eltern informieren können.

2019-01-10T23:26:03+00:0010.01.2019|Allgemein, Presse aktuell|