Gießener Anzeiger vom 06.03.2019, S. 22

Der Aktionstag „Nimm deine Zukunft in die Hand“wird gut angenommen. Foto: Ewert

Gemeinschaftsaktion von Schulen, Stadt und Landkreis trifft auf große Resonanz / Motto: „Nimm deine Zukunft in die Hand“

GIESSEN (wf). Insgesamt 65 Schülerinnen und Schüler von vier allgemeinbildenden Schulen – Adolf-Reichwein-Schule (Pohlheim), Gesamtschule Busecker Tal, Sophie-Scholl-Schule (Gießen) und Theo-Koch-Schule (Grünberg) – nahmen am Aktionstag „Nimm deine Zukunft in die Hand“ teil. Dieser ist eine Gemeinschaftsaktion von Kreishandwerkerschaft Gießen sowie den Schuldezernaten bei Stadt und Kreis und findet seit etlichen Jahren statt. Und das aus gutem Grund – und auch erfreulicherweise mit guter Resonanz, zumal sich die Schüler der oberen Klassen, die ihren Blick langsam auf ihre berufliche Zukunft nach der Schule richten, gezielt und bewusst für das Informationsangebot entscheiden. Und auf den Aktionstag in den Schulen vorbereitet werden.

Deshalb gilt der Dank von Kreishandwerkerschaft, Stadt und Kreis auch allen Lehrkräften, die die Bedeutung der Berufsorientierung richtig einschätzen und entsprechend im Unterricht auch handeln. Die teilnehmenden Schülerinnen und Schüler gewannen Einblicke in die Bereiche Friseur- und Bäckerhandwerk an der Aliceschule, ins Elektro, Sanitär-Heizungs-Klima-, Kfz-, Metallbauer- Tischler- und Bauhandwerk an der Theodor-Litt-Schule sowie ins Fahrzeuglackierer, Maler- und Lackierer-, Polster- und Raumausstatterhandwerk an der Willy-Brandt-Kreisberufsschule.

Und all dies geschieht nicht ohne Grund. Denn wie alle anderen Wirtschaftszweige ist auch das Handwerk, wegen seiner Vielschichtigkeit in 130 unterschiedlichen Handwerksberufen in durchweg kleinen und mittleren Betrieben vielleicht sogar in besonderer Weise, auf den beruflichen Nachwuchs angewiesen. Ebenso ist bereits seit einigen Jahren die Tatsache fehlender Fachkräfte evident. Und das fängt im Ausbildungsbereich an, aus dem heraus die benötigten Facharbeiter herangebildet werden müssen. Gleichzeitig hat der Ausbildungsmarkt zunehmend mit der Schwierigkeit zu kämpfen, dass nach wie vor immer mehr Abiturienten an die Hochschulen streben und eine abnehmende Zahl aus Grund-, Real- und Gesamtschulen dem Ausbildungsmarkt – und hier besonders dem Handwerk – zur Verfügung stehen. Dabei aber zugleich aus einem Überangebot an Lehrstellen auswählen können. Mit der seit einigen Jahren zu beobachtenden logischen Folge, dass viele Ausbildungsplätze – in einigen Gewerken, zum Beispiel, aber nicht nur im Lebensmittelhandwerk signifikant, in anderen weniger – nicht mehr besetzt werden können. Was wiederum auf längere Sicht zwangsläufig einen weiter zunehmenden Mangel an Fachkräften nach sich zieht. Diese Aussichten zwingen das Handwerk und seine berufsständischen Organisationen zum Handeln.

„Bewährter Baustein“

Die Kreishandwerkerschaft reagiert seit Jahren mit unterschiedlichen Ansätzen auf diese Entwicklung. Und anderem gemeinsam mit den drei beruflichen Schulen in Gießen sowie den Schuldezernaten von Stadt und Kreis mit der Aktion „Nimm Deine Zukunft in die Hände“. Hendrischke und Gießens Schuldezernentin Astrid Eibelshäuser bezeichneten den Aktionstag als „langjährig bewährten Baustein“ in dem Bemühen, künftigen, sprich potenziellen Auszubildenden durch nur unwesentlich ältere Lehrlings-Paten an die Hand zu nehmen, um ihnen dadurch den Weg zu einer bewussten Entscheidung für einen stabilen Berufswunsch zu erleichtern.

„Wir wollen Schülerinnen und Schüler in den Alltag in einer Berufsschule hineinschnuppern lassen, um damit die Praktika in den Betrieben, die diese jungen Leute im Rahmen der Berufsvorbereitung absolvieren, inhaltlich zu verbinden“, erläutert Björn Hendrischke, Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Gießen. Am Ende des Vormittags wurde dann das Erlebte in einem abschließenden Gespräch aufgearbeitet und abgerundet. Gießens Schuldezernentin Astrid Eibelshäuser wies auf die zahlreichen Möglichkeiten für Schülerinnen und Schüler hin, „in den Ausbildungsmarkt einzumünden“. Die Aktion der Kreishandwerkerschaft, Schüler und Berufsschüler zusammenzubringen, werde von Kreis und Stadt ausdrücklich unterstützt. Denn, so die übereinstimmende Meinung im Blick in die Zukunft: Der beste Schutz vor einer Arbeitslosigkeit ist eine abgeschlossene berufliche Qualifizierung. Die Statistik jedenfalls belege, dass die Arbeitslosenquote Unqualifizierter um das Sechs- bis Siebenfache höher liege als bei Fachkräften.