„Rekruten“ zweifeln am Sinn des Krieges

Nachdenklich und zweifelnd am Lagerfeuer: Die jungen Rekruten, die anfangs noch voller Elan waren.

THEATER Schüler der Theo-Koch-Schule spielen Stück über das Soldatentum

Gießener Anzeiger vom 16.06.2017, S. 36

GRÜNBERG (zy). Bereits die Band „The Temptations“ hat sich 1970 mit ihrem Hit „War“ mit der Notwenigkeit von Krieg auseinandergesetzt und diesen angezweifelt. Krieg faszinierte den Menschen schon immer, daher wird er in verschiedenen Medien thematisiert. Denn auch in Spielfilmen, wie etwa „Im Westen nichts Neues“ (1929) oder „Jarhead“ (2005), aber auch Dokumentationen wie „Das radikal Böse“ (2013) und sogar in Computerspielen, wie der „Battlefield“-Reihe, erfährt man von den Schrecken und Schicksalen derjenigen, die den Krieg ausführen müssen. Schließlich sind es einfache Menschen, die im Auftrag ihrer jeweiligen Regierungen handeln müssen.

Diesem schwierigen Thema haben sich Schüler der Jahrgänge zehn bis 13 der Theo-Koch-Schule (TKS) während ihrer Theater-AG, unter der Leitung von Christian Zeuch, angenähert. Die Aufführung von „Heute du, morgen ich“ fand an zwei Tagen im Haus E der TKS statt. Inspiriert wurde es unter anderem von den bereits erwähnten Titeln.

Auf der Bühne standen als Soldaten verkleidet Mathis Clermont, Anna Coers, Joschua Geist, Mara Geist, Felix-Levin Hormann, Josca Levert, Julia Röper, Tessa Viehmann, Niels Walter und Jennifer Winter. In ihrem Stück, bei dessen Handlung die Schüler mitwirken durften, geht es um zehn junge Rekruten und ihre Erlebnisse beim Militär. Waren sie anfangs noch voller Elan und Idealismus, ihrem Vaterland zu dienen, holt sie schnell die Realität während ihrer Zeit im Kriegseinsatz ein. Sie werden konfrontiert mit ständiger Angst und dem sinnlosen Tod von Kameraden. Sie lernen, dass sich auch hinter dem vermeintlichen Feind nur ein Mensch mit Familie und gut gemeinten Idealen versteckt. Sie erfahren, wie der Krieg, selbst nachdem sie bereits heimgekehrt sind, sie immer noch beschäftigt und für immer verändert hat. Thematisiert wurde dabei auch die heutige Bundeswehr, die mit ihrer Webserie „Die Rekruten“ junge Menschen für den Vaterlandsdienst gewinnen möchte. Doch auch an Schulen wirbt sie als spannender und attraktiver Arbeitgeber, so auch an der TKS im November 2016 beim Tag der offenen Tür. Ebenso wurden einige dramatische Einzelschicksale von verschieden realen Soldaten durch die Schüler bewegend vorgetragen.

Die Aufführung berührte und bedrückte die Zuschauer sichtlich. Vor allem immer dann, wenn einer der Protagonisten des Stücks starb. Dann wurden nämlich die Kleidungsstücke des Gefallenen von ihm persönlich an eine Person im Publikum übergeben mit den Worten: „Süß und ehrenvoll ist es für das Vaterland zu sterben.“ Keine leichte Kost also, jedoch ein hochaktuelles Thema. (Foto: Zylla)

Beklemmende Grausamkeit

Theater-AG der Theo-Koch-Schule mit beeindruckendem Stück über Soldatenschicksale im Ersten Weltkrieg

Gießener Allgemeine Zeitung vom 17.06.2017, S. 53

G r ü n b e r g (dis). Keine leichte Aufgabe hatte sich die Theater AG der Theo-Koch-Schule mit Schülern der Jahrgänge 10 bis 13 unter der Leitung von Christian Zeuch gestellt, um in einer Adaption zum Buch »Im Westen nichts Neues« von Erich Maria Remarque, unter dem Titel »Heute du, morgen ich« in zwei Aufführungen die Grausamkeit von Kriegen und die damit verbundenen Soldatenschicksale zu beleuchten. In zahlreichen Sequenzen wurden Soldatenschicksale aus dem Ersten Weltkrieg von der Einberufung bis zum Sterben auf dem Schlachtfeld oder im Feldlazarett in beklemmender Einfachheit von den Schülern dargestellt. Selbst für einen friedensbringenden Schmetterling war kein Raum. Viele Soldaten verloren schon bald ihren Idealismus und die Begeisterung am Kriegsdienst, gerade wenn sie den Tod vor Augen hatten oder an ihre Familien dachten. Immer wieder war es eine bedrückende Szene in der Aufführung, wenn Kleidungsstücke von gefallenen Kameraden selbst mit den Worten »Süß und ehrenvoll ist es für das Vaterland zu sterben« im Zuschauerraum an eine Person übergeben wurde. Daneben wurden auch Soldaten wie Hugh Thompson, Offizier der US Army, der 1968 zum Helden wurde, das Schicksal der Sanitätsoffizier-Anwärterin Jenny Böken, die 2008 im Dienst bei der Deutschen Marine unter nicht geklärten Umständen verstarb, sowie die 2005 verurteilte Kriegsverbrecherin Lynndie England, Militärpolizistin bei der US Army, vorgestellt.

Nicht außer Acht gelassen wurde auch die 2016 gestartete Webserie der Bundeswehr, die den Dienst an der Waffe im Berufsheer mit sicheren Arbeitsplätzen und guten Aufstiegsmöglichkeiten verbindet, wobei die sichere Rückkehr beim Einsatz in Krisengebieten durchaus fraglich ist. Dem ganzen Ensemble mit Mathis Clermont, Anna Coers, Joschua Geist, Mara Geist, Felix-Levin Hormann, Josca Levret, Julia Röper, Tessa Viehmann, Niels Walter und Jennifer Winter muss man ein großes Kompliment machen, sich dem Thema einfühlsam angenommen zu haben. Innerhalb weniger Wochen erreichte das Buch von Remarque eine Auflage von fast einer halben Million Exemplare und wurde noch im selben Jahr in 26 Sprachen übersetzt. Obwohl der Autor das Buch selbst als unpolitisch bezeichnete, wurde es als Antikriegsroman zu einem Klassiker der Weltliteratur. Kein Wunder, dass die Nationalsozialisten daran Anstoß nahmen und zahlreiche Exemplare bei der Bücherverbrennung 1933 vernichtet wurden. Weltweite Bekanntheit erreichte auch die gleichnamige Verfilmung aus dem Jahre 1930 von Lewis Milestone.

2017-08-17T19:15:56+00:0016.06.2017|Allgemein, Presse 2016/17|